Zum Earth Over Shoot Day 2026 erhielt Checknology eine Interview-Anfrage von der Main-Post Redaktion.
Geld verdienen mit fairem Wirtschaften? Der Marktbreiter Achim Knöchel sagt: Das geht. Knöchel ist CEO seiner Unternehmensberatung „Checknology“, die sich nicht dem kurzfristigen Erfolg verschrieben hat. Zum Earth-Overshoot-Day am 30. Juli – der Tag, an dem die natürlichen Ressourcen nicht mehr so schnell nachwachsen können, wie die Menschen sie verbrauchen – gibt er ein Interview.
Glauben Sie, dass wir Menschen die Kurve kriegen und die Erde erhalten?
ACHIM KNÖCHEL: Der Erde ist es ziemlich egal, ob wir Menschen die Kurve kriegen. Sie wird sich irgendwie regenerieren. Die Frage ist, ob wir Menschen, wenn wir so weitermachen, noch auf der Erde leben können. Ich glaube und hoffe es.
Was tun Sie persönlich?
KNÖCHEL: Ich engagiere mich ehrenamtlich als Vorsitzender des Marktbreiter Nachhaltigkeitsvereins „We for Future“, mit dem wir Menschen sensibilisieren und begeistern wollen, sich für Mitmenschen, Umwelt und nachhaltige Zukunft zu engagieren. Besonders geht es mir um ein ethischeres Wirtschaftssystem, das Unternehmen nicht nur an ihren Finanzkennzahlen misst, sondern daran, welchen Beitrag sie für Gemeinwohl und Umwelt leisten. Auf diesem Weg berate ich Unternehmen in meinem geschäftlichen Umfeld.
Passiert im Raum Kitzingen etwas, das Hoffnung weckt?
Knöchel: Hier laufen wertvolle Projekte – sowohl bei NGOs, also unabhängigen, nicht gewinnorientierten Organisationen, als auch in der Wirtschaft. Aber wenn es darum geht, ob unser Landkreis als Leuchtturm in Sachen nachhaltige Entwicklung und Umweltschutz dienen kann, muss ich leider sagen: Da sind andere Regionen schon weiter.
Welche Technologien versprechen Umweltschutz und am besten noch neue Arbeitsplätze?
Knöchel: Ich beschäftige mich aktuell mit Pflanzenkohle-Pyrolyse. Das ist eine sinnvolle, skalierbare Technologie, um CO,-Emissionen wieder „einzufangen“ und zurückzuführen. Biomasse wird mittels Pyrolyse-Technik nahezu ohne Emissionen „verkohlt“ In Kompostieranlagen zum Beispiel bleibt jeden Tag Biomasse in den Sieben hängen. Statt diese Siebüberläufer durch ganz Deutschland zu karren, um sie in Müllkraftwerken zu verheizen, könnte man aus ihnen Pflanzenkohle gewinnen. Diese Pflanzenkohle kann dann, am besten über regionale Kreisläufe, dauerhaft im Boden gespeichert werden. Wenn es gelingt, die dabei entstehenden CO;-Zertifikate zu verkaufen und die entstehende Wärme direkt zu nutzen, lässt sich damit sogar richtig Geld verdienen. Das ist übrigens auch eine Technologie für Nahwärmenetzen von Kommunen.
Unternehmen müssen langfristig schwarze Zahlen schreiben. Geht das bei nachhaltigem Wirtschaften?
Knöchel: Unbedingt! Aber umgekehrt wird ein Schuh daraus: Die Kosten werden immer weiter steigen, wenn Unternehmen nicht nachhaltig wirtschaften. Als Stichpunkte; EU-Zertifikate-Handel, Kreislauf-Wirtschaft, sinnsuchende Mitarbeitende finden, Das haben familien- und inhabergeführte Unternehmen meist bereits im Blick. Das Problem sind die großen Konzerne, bei denen es nur um kurzfristigen Erfolg und Shareholder Value geht. Mit endlichen Ressourcen und Umweltkatastrophen im Nacken wird Wachstum, Wachstum, Wachstum auf Dauer nicht möglich sein.
Was ist die Alternative?
Knöchel: Wir müssen unser Wirtschaften komplett neu denken! Dann werden wir auch im globalen Vergleich wieder punkten. Wir haben uns selbst abgehängt und hängen uns weiter ab. Mit nachhaltigem, ökologischem Wirtschaften könnten wir vorangehen. Es gibt genug „Best Practice“-Unternehmen, die konsequent umgestellt haben und erfolgreich sind. Auch wenn das die deutsche Regierung und jammernde, rückständige Unternehmen nicht wahrhaben wollen.
Können Sie ein Beispiel geben?
Knöchel: Neumarkter Lammsbräu, Vaude Outdoor-Bekleidung oder ein unterfränkisches LeuchtturmUnternehmen – die ESN Deutsche Tischtennis Technologie GmbH. Ein Hidden Champion aus Hofheim. Die Firma ist Weltmarktführer für die Herstellung von Tischtennisschläger-Belägen, hat 300 Mitarbeitende und rund 40 Millionen Euro Jahresumsatz. Sie ist sehr erfolgreich „trotz“ Gemeinwohl-Bilanz und Engagement für Nachhaltigkeit.
Angenommen, Sie wären der König Frankens. Was würden Sie verfügen?
Knöchel: Alle Menschen und besonders Unternehmen müssten ihre Klimabilanz (THG-Bilanz) kennen. Dafür würde ich sorgen. In der Hoffnung, dass es schwerer fällt, sich rücksichtslos und verantwortungslos zu verhalten, wenn wir diese und die Zusammenhänge‚ dahinter erst einmal kennen und ein Verantwortungsbewusstsein entwickeln. Ich glaube: Keiner will ein Arschloch sein und die Welt und Lebensgrundlage seiner Kinder und Enkelkinder durch sein heutiges Handeln zerstören.
Interview: Diana Fuchs
Main-Post Artikel: https://www.mainpost.de/kitzingen/marktbreit-geld-verdienen-mit-umweltschutz-diese-innovativen-ideen-gibt-es-fuer-mainfranken-114703015

